Mehr Feste, mehr Miteinander

Hameln. Vergleichsweise viele Plätze blieben leer beim vierten Bürgerforum der Stadt, bei dem es nach der Nord- und Südstadt sowie dem Basberg um die „Gute Stube“ Hamelns, die Innenstadt, ging. Oberbürgermeister Claudio Griese konnte nur spekulieren: das Wetter? Weniger ausgeprägte nachbarschaftliche Beziehungen?

Dass es in der City anonymer zugeht, bemängelten Anwohner unter anderem in einer Befragung der Stadt zum Quartier. Man wünscht sich mehr Feste, mehr Miteinander. Die Verwaltung referierte zunächst eine gute Stunde zu den Themen Einzelhandel, die Projekte Hameln kann‘s und das Weserufer, Verkehrsprojekte in der Innenstadt und Denkmalschutz in der Altstadt. Selbst diagnostizierte Schwachstellen, wie Leerstand und der zunehmende Verfall der denkmalgeschützten Häuser, wurden nicht ausgelassen.

Einzelhandel: Bezüglich des Einzelhandels stellte man sich aber – im Vergleich zu anderen Städten – ein gutes Zeugnis aus. Rund 11,1 Prozent der Geschäfte stehen punktuell leer, in Zahlen: 30 Geschäfte. Der optische Eindruck sei ein anderer, monierten die Bürger. „Ich möchte ein bisschen an der Wohlfühlatmosphäre kratzen“, erklärte eine Bürgerin. Ihr stieß auf, dass Themen wie etwa Lärm und Dreck in der Darstellung der Stadt nicht vorkamen, bei vielen Bürgern aber schon. Gespräche hätte es mit der Stadt diesbezüglich schon viele gegeben, ebenso Befragungen.

Denkmalschutz: Kritik äußerte sie auch bezüglich verfallender Häuser in der Altstadt, wie zum Beispiel dem Domeierhaus an der Neuen Marktstraße 17/Ecke Kleine Straße. Wie schwierig es ist, die Häuser, die sich nicht selten im Besitz von zerstrittenen Erbengemeinschaften und Fondsgesellschaften befänden, zu retten, hatte Stadtbaurat Hermann Aden bereits dargelegt. Ebenso, dass das Förderprogramm zum städtebaulichen Denkmalschutz noch nicht ausgeschöpft sei. Auf die direkte Nachfrage der Bürgerin erklärte er, dass die Stadt mittlerweile durchaus darüber nachdenke, bestimmte Häuser anzukaufen. „Das höre ich das erste Mal“, entgegnete diese. Der frohen Botschaft folgte auch sogleich die Einschränkung: „Allerdings sind die Mittel begrenzt.“ Vorrang hätten andere Maßnahmen, zum Beispiel der Brandschutz an Grundschulen. Tatsächlich könnte die Stadt heute noch im Besitz des Domeierhauses sein. Das Gebäude wurde 1995 an die Hamelner Wohnungsbaugesellschaft (HWG), eine Tochter der Stadt, verkauft. Laut einem Gutachten, dass Schwammbefall und Nagekäfer in den Balken attestierte, trennte sich auch die HWG von dem Haus. Der politische Beschluss fiel in nichtöffentlicher Sitzung. „Das ist damals schiefgelaufen“, räumt Aden ein. Der Appell an die Eigentümer, ihre historischen Häuser in Ordnung zu halten, sei trotz der eigenen Fehler in der Vergangenheit richtig.

Projekt Weserufer: Wie die Stadt das Weserufer aufwerten will (Werderinsel, Langer Wall, Europaplatz), stieß bei den Besuchern nur auf zwei Gegenfragen: Warum die Strandbar nicht im Bereich der ehemaligen britischen Truppenübungsplätze (Wouldham oder Upnor) eingerichtet werden kann, und warum die Realisierung einer großen Wesertreppe, die in der Nähe des Europaplatzes mit mehreren Terrassenpodesten ausreichend Platz für Besucher bieten würde, drei bis vier Jahre dauert. Antwort eins: Die Strandbar gehört für die Verwaltung ins Zentrum der Stadt – „dort, wo Leben ist“. Antwort zwei: Die Planung ist aufwendig, das Personal rar und das Projekt nicht „das allerdinglichste“.

Wissen wollten die Bewohner, was passiert, wenn die Elisabeth-Selbert-Schule auf das Gelände der Linsingen-Kaserne zieht. Der Antwort, dass auch ein Abriss nicht ausgeschlossen sei, folgte ein lautes „Nicht schon wieder“! Hintergrund: Die Anwohner mussten in den letzten Jahren den Dreck und Lärm einer Vielzahl von Bauprojekten ertragen. Grundsätzlich sollen am Standort der Schule Wohn- und Geschäftslagen entstehen.

Verkehr: Weiterhin für erheblichen Unmut sorgt bei den Anwohnern der Papenstraße das von der Stadt neu eingeführte Parkverbot. Eine dort niedergelassene Ärztin erklärte, wie dringend notwendig die Parkmöglichkeiten für die Anwohner aus unterschiedlichen Gründen seien und verlas, wer gegen die Einführung unterschrieben hat. „Wir brauchen ein tragfähiges Gestaltungskonzept“, forderte sie, und zwar eines, das auch den Münsterkirchhof mit einbezieht. Vonseiten der Stadt versprach man, die Botschaft „mitzunehmen“. Stadtbaurat Hermann Aden deutete an, dass es auf einen Kompromiss hinauslaufen werde.

Ein Dauerbrenner ist das Thema Fahrradfahrer in der Innenstadt. Kritisiert wurde vonseiten der Bürger mangelnde Kontrolle vom Ordnungsamt. Die wird auch bei der wilden Plakatierung von Schaufenstern leer stehender Geschäfte bemängelt.