Ratzekahl

Hameln (ey). Eigentlich sollte man annehmen, dass nach einem solchen heißen Sommer keiner, und schon gar kein Campingplatzbetreiber, auf die Idee kommen würde, Schatten spendende Bäume zu fällen. Doch genau so, wie die Axt im Walde werkelt, ist es auf dem Hamelner Campingplatz geschehen. Allerdings: „Bei vielen Bäumen – vor allem Platanen – war es notwendig geworden, weil die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war“, sagt Betreiber Manush Ibrahim Gerbeshi. Er könne die Menschen verstehen, die kritischen Klütviertler und Hamelner, die seine Entscheidung, rund 40 Bäume entfernen zu lassen, teils massiv kritisieren. „Ich habe mir tausend Mal überlegt, ob ich das tue. Aber es war schon dazu gekommen, dass relativ schwere Äste auf Wohnwagen fielen – ich hatte keine Wahl!“

In der Tat bescheinigt die Stadtverwaltung dem Campingplatzbetreiber, dass er im Sinne der Verkehrssicherheit gehandelt habe. „Er hat sein Vorgehen abgestimmt. Im November und Dezember 2017 gab es einen Ortstermin mit unserer Fachabteilung. Herr Gerbeshi hatte damals einen Antrag auf Fällung von etwa 20 Platanen gestellt. Fünf bis sechs waren nicht verkehrssicher, die anderen sollten wegen Umgestaltungsmaßnahmen fallen. Ihm wurde die Erlaubnis zur Fällung der nichtverkehrssicheren Bäume genehmigt“, sagt Pressesprecherin Janine Herrmann. Entsprechende Nachpflanzungen gemäß der Baumschutzsatzung wurden ebenfalls festgehalten. Über die anderen Bäume sollte noch einmal nachverhandelt werden, „weil für uns auch unter gestalterischen Gesichtspunkten der gesamte Umfang nicht nachvollziehbar war“.

Die Crux: In der Zwischenzeit wurde die bestehende Baumschutzsatzung politisch aus den Angeln gehoben. Die Folge: Nun griff sogenannte Billigkeitsregelung für Privateigentümer durch den Verwaltungsausschuss. Das Ergebnis: Im Oktober wurde dem Campingplatzbetreiber mitgeteilt, dass die Weiterverfolgung der Ausnahmegenehmigung nebst Nebenbestimmungen nicht weiter verfolgt wird. Der Campingplatzbetreiber durfte also die Platanen fällen, weil eine Einwirkungsmöglichkeit seitens der Stadt Hameln nicht mehr besteht.

Das bringt nun Bürger wie Sibylle Voss auf den Plan. „Ob der Fortbestand der Baumschutzsatzung dieses ökologische und ästhetische Desaster hätte verhindern können, sei dahingestellt. Doch das Vorhandensein einer solchen Satzung könnte zumindest wie eine Art Gedankenstrich wirken – ’Achtung, Bäume!’“

Schatten und Licht – beides eng miteinander verwoben. „Dass die Bedeutung von Schatten und frischerer Luft auch nach dem Sommer 2018 nicht weit stärker ins Bewusstsein rückt, steht zu befürchten“, führt Sibylle Voss weiter aus. Der Kahlschlag am Campingplatz sei ein weiterer Grund, eine Baumschutzsatzung ernstzunehmen. „Vögel, Insekten, dort lebende Kleintiere sind schützenswert. Ihre Wertschätzung ist einer solchen Satzung leider aber nicht implantiert …“ Campingplatzbetreiber Manush Ibrahim Gerbeshi lässt die Kritik zurzeit über sich ergehen. „Es ist immer ein heikles Thema, das weiß ich. Aber jeder kann sich darauf verlassen, dass ich neue Bepflanzungen vornehmen werde. Die Hamelner sollten mir ein bisschen Zeit geben“, sagt er. Nicht ohne den Hinweis darauf, dass als nächstes erst einmal die Hecke, die den Campingplatz an der Uferstraße säumt, entfernt und durch einen Zaun und neue Bepflanzungen ersetzt wird.