Drunter und drüber am „Schiller“

Von Jens F. Meyer

Hameln. Es soll Studien geben, die belegen, dass es sich positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, wenn sie sich zu Fuß, per Rad oder Roller auf den Schulweg machen. Dass für diese im wahren Wortsinn „bewegende“ Erkenntnis kaum eine Studie notwendig wäre, ist die eine Sache. Die andere: Eine große Anzahl Eltern scheint es nicht zu interessieren und ebenso wenig wie die Tatsache, dass es Öffis gibt, also Busse, die ihre lieben Kleinen, die manchmal gar nicht so lieb und klein sind, ziemlich nah ans Schulgebäude bringen. Die Folgen: Vor den Schulen staut sich‘s, wird rücksichtlos geparkt, gehupt, gewartet. Luxusprobleme in modernen Zeiten.

Erste „Elternhaltestelle“

in Afferde

So weit, so schlecht. Denn wo der Platz beengt ist, wo Zebrastreifen blockiert werden, Reifen quietschen und Kinder zwischen fahrenden Autos Slalom laufen (müssen), besteht erhöhte Unfallgefahr. Die Einrichtung einer ersten „Elternhaltestelle“ in Afferde – ein Hol- und Bringbereich 250 Meter von der Schule entfernt – ist gut und gleichermaßen kein Ruhmesblatt für Väter und Mütter. Die prekäre Situation vor der Schule wird deutlich entspannt. Es dürfte nicht die letzte dieser geradezu ein wenig seltsam anmutenden „Ladezonen“ sein. So weit ist es also gekommen. Und der Ärger, er geht weiter.

Denn einige Eltern und Lehrer haben sich jüngst an die HALLO-Redaktion gewendet. Tenor: Vor dem Schiller-Gymnasium Hameln gebe es bisweilen tumultartige Szenen. Mag diese Umschreibung auch übertrieben sein, im Kern trifft sie die Sache. Denn in der Tat geht‘s ganz schön wild zu auf der Gröninger Straße. Dabei ist dem Schulelternratssprecher Dr. Volker Schöpe die Problematik nicht bekannt. „Keiner hat jemals dieses Problem an den Vorstand des Schulelternrats herangetragen. Uns ist jedenfalls nicht bekannt, dass es zu gefährlichen Situationen kommt.“ Schulen hätten aber ohnehin drängendere Probleme als der Straßenverkehr vor dem Pausenhof. Mag sein, aber Schulleiter Andreas Jungnitz gibt auf Anfrage des HALLO zu, „dass sich manche Eltern durchaus besser verhalten könnten, denn es geht hier um die Sicherheit ihrer eigenen Kinder“. Klar hätten sich die Zeiten geändert, klar sei die Gesellschaft mobiler geworden, „aber genau aus diesem Grund entstehen solche Situationen, wie wir sie nicht haben wollen“, so der Schulleiter weiter. Dabei müsse unterschieden werden zwischen solchen Eltern, bei denen der Schulweg ohnehin auf dem Weg zur Arbeit liege, und solchen, die ihre Kinder ohne Grund bis vor die Schultür fahren – ohne Grund insofern, „als dass hier die Bushaltestelle direkt vor der Schultür steht und die Anbindung wirklich gut ist“. Will heißen: Manchmal ist es zweckmäßig, die Kinder mit dem eigenen Auto zur Schule zu fahren, meistens ist es aber nicht nötig…

In falscher Richtung

auf der Einbahnstraße

Laut Stadtverwaltungssprecher Thomas Wahmes werde nicht nur in Sachen Schiller-Gymnasium, sondern auch im Gespräch mit anderen Hamelner Schulen und Kindergärten nach einem Konsens und Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die Verkehrsproblematik sei größer, als das mancher zugeben oder vermuten würde. Dass weitere „Elternhaltestellen“ eingerichtet werden, dürfte nur eine Frage der Zeit sein, weil der Wahnsinn selbst bei den Kleinsten nicht Halt macht. Fuhr doch neulich am Bildungshaus am Klüt, wo Grundschule und Kindergarten unter einem Dach sind, ein Vater in die falsche Richtung der dortigen Einbahnstraße, weil er schnell mal sein Kind zum Unterricht bringen wolle. Darauf von einer Mutter angesprochen, entgegnete er ihr beiläufig, dass das doch nicht so schlimm sei und sie das im Grunde auch nichts angehen würde.