Das Ende der Staus und Umleitungen ist nahe

Amelgatzen. Mit einigen Bauarbeitern vertraut zeigt sich Wolfgang Diestel, der das kurze Gespräch mit ihnen sucht. Fast täglich beobachtet er die Fortschritte auf der neuen Bahnbrücke in Amelgatzen. „Von Anfang an verfolgt“, erzählt Diestel, der in der Nähe wohnt. Klar weiß er, dass das Ende der Arbeiten auf einer der in der Bevölkerung umstrittensten Baustellen der Region in Sicht ist. Wenn nichts dazwischenkommt, rollt der Verkehr Ende nächster Woche über die Brücke, sagt Markus Brockmann von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. „Gut gelaufen“, blickt er zurück auf den eng getakteten Zeitplan seit Beginn der Arbeiten im November 2017.

Für die Pendler enden damit Umwege, wenn sie den Einwohnern wohlwollend gegenüberstanden oder aber Wartezeiten am Engpass von Amelgatzen. Schon früh hatte sich der Schleichweg herumgesprochen. „Wir sind heilfroh, wenn das vorbei ist“, sagt Joachim Kurz aus dem Birkenweg. Im Januar hatte er als Betroffener des Umleitungsverkehrs wie auch für die Nachbarn des Koppelweges den Protest öffentlich gemacht. Die Folgen hätte er sich vorher nicht vorstellen können, blickt er auf die Entwicklung zurück, die sogar zu zwei Online-Petitionen führte. Kurz: „Das war für die Zusammengehörigkeit der Ortschaft nicht förderlich.“ Das Hickhack der Behörden um Vollsperrung und erneute Freigabe – der Welseder Rechtsanwalt Oliver Engel war sogar vor das Verwaltungsgericht Hannover gezogen, um dem Landkreis eine Ungleichbehandlung der Einwohner nachzuweisen. „Die Gefahr einer Spaltung war da“, meint Engel heute. „Doch die meisten waren dann mit der neuen Situation zufrieden.“

Was blieb, waren Banner mit dem Appell zur Rücksichtnahme in den Wohnstraßen. „Rücksicht? Von wegen“, meint Kurz über das Verhalten vieler Autofahrer. „Ich bin froh, wenn die Umleitung vor Weihnachten ein Ende hat“, sagt Ortsbürgermeister Helmut Brinkmann, bei dem in der Anfangszeit das Telefon nicht stillstand und der um Ausgleich bemüht war. Gleichzeitig zollt er den Baufirmen Respekt, die nicht nur zügig gearbeitet, sondern außerdem gute Absprachen mit den Einwohnern getroffen hätten. Diese Einschätzung teilt Baustellen-Kenner Wolfgang Diestel. „Der Ablauf, die Steuerung und der Fleiß der Leute – das ist enorm“, sagte er. Die Beeinträchtigungen sieht er zudem gelassen. „Auch wenn es manchmal extrem war“, meint er. „Irgendwo muss der Verkehr ja durch.“