OB zeigt Flagge in Sachen Städtepartnerschaft

Hameln (ey). Die harsche Kritik des HALLO an den eher zurückhaltenden Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Saint-Maur-des-Fossés und Hameln (wir berichteten in der Mittwoch-Ausgabe) hat jetzt Oberbürgermeister Claudio Griese auf den Plan gebracht. Er sieht sich zu Unrecht in der Schusslinie, „zumal ich in diesem Jahr zweimal in Saint-Maur war und ja gerade das Ziel verfolge, die Beziehungen der beiden Städte wieder zu intensivieren, weil sie jahrelang eben nicht genügend gepflegt worden sind“.

Mancher Amtsinhaber vor ihm sei bisweilen kein einziges Mal zu Gast in der französischen Partnerstadt gewesen, was in der Tat aber auch an den Franzosen gelegen habe. Dort ist – sozusagen als Beweis des Dilemmas – in der Zwischenzeit der Städtepartnerschaftsverein aufgelöst worden. „Das zeigt, wie schwierig es ist, eine Städtepartnerschaft am Leben zu erhalten“, sagt Hamelns Verwaltungschef. Gestern war er zu Gast in der HALLO-Redaktion und machte darauf aufmerksam, dass mit Sylvain Berrios „wieder ein überzeugter Europäer“ das Amt des Bürgermeisters Saint-Maurs bekleidet und „die Chancen gut stehen, dass die Beziehungen unserer beiden Städte eine deutliche Belebung erfahren“.

Das Interesse, so Thomas Wahmes, Sprecher der Stadtverwaltung, sei in den Reihen der Bürger nicht groß genug, um daraus eben noch ein riesiges Event werden zu lassen, wie es etwa zum 25-jährigen Jubiläum in den 90er-Jahren gefeiert worden sei. Wahmes: „Im Laufe der Jahre haben sich gewisse ’Verschleißerscheinungen‘ in Städtepartnerschaften eingeschlichen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich noch viele Menschen dafür interessieren. Ein großes Fest wird daraus sicher nicht mehr.“

Vielleicht kein großes, aber ein schönes zum richtigen Zeitpunkt. Dass man mit der kleinen Delegation aus dem Nachbarland jetzt über den Weihnachtsmarkt gegangen ist, sei sicherlich nicht optimal gewesen, „aber Monsieur Berrios und seine Delegation hatten uns leider keine anderen Termine zusagen können“, sagt Claudio Griese. Ein Treffen im Sommer sei immer besser, aber eben nicht möglich gewesen, und jetzt war die Zeit knapp.

Griese und Wahmes räumen allerdings ein, womöglich nicht genügend auf das 50-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft im Vorfeld aufmerksam gemacht zu haben. Denn: Wer von den Bürgerinnen und Bürgern hätte davon erfahren sollen, wenn es nicht beworben wird? Und daraus resultierend vermag das Interesse nur deshalb nicht groß zu sein, weil eine ehrbare, wichtige Sache kleingehalten wird. Allein eine französische Fahne zu hissen, wäre ein Zeichen gewesen. „Ja, das hätte man sicher tun können“, räumt der OB ein. Auch ein kleines Fest mit lukullischen Überraschungen beider Länder oder die Einbeziehung der Deutsch-Französischen Gesellschaft wollte Griese auf Anfrage jetzt nicht ausschließen. Auf jeden Fall sollte aber klar sein: „Wir bemühen uns um die städtepartnerschaftlichen Beziehungen, im Übrigen auch im Hinblick auf Torbay in Großbritannien. Auch dort war ich in diesem Jahr Gast und will zu einer Belebung der Beziehung zur südenglischen Stadt beitragen.“