OB wünscht sich mehr Leben für Altstadt

Hameln. Eine lange Menschenschlange hat sich am Sonntagnachmittag durch die Altstadt gezogen. Gut 300 Hamelner zeigten sich von dem Regenwetter unbeeindruckt und folgten Oberbürgermeister Claudio Griese durch Gassen und Straßen. Eine Resonanz, von der sich der OB durchaus – freudig – überrascht zeigte. Er hatte die Hamelner zum Neujahrsempfang eingeladen, dem ein Spaziergang durch die Altstadt voranging. Am Beispiel einzelner Häuser zeigte er auf, wie vorbildlich manche Eigentümer ihre Gebäude hegten und pflegten, oder was möglich ist, wenn etwas getan werde, wie etwa am Haus Warnecke an der Osterstraße oder am Bürgerhus an der Kupferschmiedestraße. Wieso der OB das tat, wurde nach dem Spaziergang in der Tanzschule Für Sie klar, wo der eigentliche Neujahrsempfang stattfand.

Claudio Griese will dem Zerfall von Häusern in der Altstadt nicht länger tatenlos zusehen. Die Stadtverwaltung habe im Zuge ihrer Bürgerforen erkannt, dass der Zustand der Altstadt vielen Hamelner sehr am Herzen liege. „Die Altstadt und ihre Gebäude sind nicht nur das kulturelle Erbe unserer Stadt, sondern wir haben auch eine historische Verantwortung, der wir gerecht werden müssen“, sagte der OB in seiner Neujahrsansprache.

Eine Schwierigkeit bestehe darin, dass nicht jeder Eigentümer „ein Hamelner mit Herzblut“ sei, sondern dass es sich bei den neuen Besitzern oftmals nur um „juristische Personen oder Gesellschaften mit Sitz im Ausland“ handele, die ihre Immobilie bloß „als Verwaltungsobjekt sehen“.

In manchen Häusern gebe es im Erdgeschoss zwar noch Geschäfte, aber in den Obergeschossen seien sie unbewohnt, etwa weil sie nur noch über eine Feuertreppe im Hof erschlossen werden könnten. Griese will „wieder mehr Leben in die Altstadt holen“. Um dieses Ziel zu erreichen, hält er es auch für denkbar, als Stadt Häuser aufzukaufen. Zudem will Griese einen Altstadtbeauftragten engagieren, der als Ansprechpartner für alle Akteure dienen soll, Eigentümer, Bewohner, Wohnungsbaugesellschaften, Stadtmarketing und Ratspolitik. Auch soll er selbst auf die Menschen zugehen. Tätigkeiten allerdings, welche die Stadtverwaltung selbst weder zeitlich noch personell noch leisten könne, so Griese. Übernehmen soll diese Aufgabe deshalb Dieter Schur, der ehemalige Fachbereichsleiter für Recht und Sicherheit im Rathaus, der sich, wie berichtet, gerade erst in den Ruhestand verabschiedet hat. Schur solle zwar „keine Sheriff-Funktion“ ausüben, aber sich auch um das von Bürgern viel monierte Thema Sauberkeit kümmern. Eine Aufgabe, die Geld kostet. Die Entscheidung liegt beim Rat. Allerdings habe der Verwaltungsausschuss dem OB bereits Unterstützung signalisiert. „Die Altstadt braucht eine immerwährende Betreuung“, sagte Schur später im Dewezet-Gespräch. „Im Grunde hätte man 1992 (nach Abschluss der Altstadtsanierung; Anm. d. Red.) gleich weitermachen müssen.“ Wie er vorgehen wolle? „Nerven“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Aber die Stadt steht auch noch vor anderen Herausforderungen. Der weitere Baufortschritt am Schulzentrum Nord, die Untersuchung der Theoder-Heuss-Realschule auf Asbest in den Wänden, deren Ergebnis der Stadt noch teuer zu stehen kommen könnte, die millionenteuren Sanierungen an den Grundschulen Basberg, Niels Stensen und Rohrsen und die Neubauten der Kita Aubuschweg und Linsingen, zählte Griese ein paar der größten Bauprojekte auf. „Wir haben einiges vor der Brust, aber wir sind in keinster Weise bange“, so der OB.